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TILMAN BIRR: Von der Lesebühne allein kann man nicht leben. Wir machen das ja als Veranstaltung in einer Kneipe und nehmen nicht mehr als fünf Euro, und dann kann man sich ausrechnen, wenn 90 Leute reinpassen, was dabei rumkommt. Es war aber natürlich für den Anfang, als ich noch studiert hatte, der Ort, an dem ich gelernt habe. Im Gespräch mit Kollegen und mit meinem eigenen trial & error-System habe ich mein Handwerk auf jeden Fall auf den Lesebühnen gelernt.

RALPH KRÜGER: Mit dem neuen Programm zu dem Buch gehen Sie ja auch demnächst auf Tour...

TILMAN BIRR: Das Programm besteht dann aus Buchlesung mit Musik. Ich lese aus dem Buch vor und spiele noch ein paar Lieder dazu, die thematisch nicht unbedingt was mit dem Buch zu tun haben, aber es lockert die Sache ein bisschen auf. Also eine Buchlesung mit Musik.

RALPH KRÜGER: Haben Sie das neue Programm denn schon mal aufgeführt?

TILMAN BIRR: Ich habe schon mal ein paar Geschichten aus dem Buch gelesen, aber in Berlin am ersten Aprilwochenende im Kookaburra und am 9. April in der Lach-und-Schieß-Gesellschaft in München geht es dann richtig los. Diese beiden Termine nehme ich für mich als Premieren für das neue Programm wahr. Das Schöne an der Buchlesung ist ja auch, dass sie sich immer wieder verändern wird. Es wird nicht immer derselbe Text gelesen, und die Musik wird sich wahrscheinlich auch ändern.

RALPH KRÜGER: Aber Sie haben doch schon öfters Teile aus dem Buch gelesen. Wie waren da die Reaktionen aus dem Publikum?

TILMAN BIRR: Die Reaktionen waren gut. Ich habe ja auch ein Hörbuch aufgezeichnet zu diesem Buch. Das haben wir in Frankfurt, Berlin und München gemacht. In Frankfurt haben die Publikumsreaktionen meine Erwartungen weit übertroffen. Man darf auch das Hörbuch kaufen, dann hört man immer den Kollegen Severin Groebner im Hintergrund immer lachen: "Hä! Hä! Hä! Hä!" – In Berlin war's auch super. Ich habe bis jetzt noch keinen Abend erlebt, wo ich aus dem Buch gelesen habe und die Leute sagten, naja, war ganz schön, aber phhh - mehr auch nicht...

RALPH KRÜGER: "On se left you see se Siegessäule" ist also jetzt auf dem Markt. Was kommt danach? Haben Sie schon Pläne? Werden Sie jetzt Schriftsteller, oder bleiben Sie in der Grauzone zwischen Autorenschaft und Lesebühne...

TILMAN BIRR: Man will ja immer ganz viel. Ich will natürlich weiter Musik schreiben, ich will auch Bücher schreiben, und ich will auch auftreten. Was jetzt genau passiert, weiß ich auch nicht. Ich würde natürlich auch gern mal einen Roman schreiben, aber das ließe sich eher schwer auf eine Kabarett-Bühne bringen. Da kann man natürlich eine Romanlesung machen, aber das wäre eben etwas ganz Anderes. Das würde ich dann eher nicht in den Kabarettläden spielen. Ich kann es selbst nur abwarten und gucken, was passiert. Ich werde natürlich versuchen, in den nächsten ein, zwei Jahren, in denen ich mit dem Programm unterwegs bin, die Musik so weit anzuhäufen, dass ich vielleicht so viel Material zusammen habe, dass ich eventuell ein Musikprogramm mache... Vielleicht ziehe ich mich auch ein Jahr zurück und schreibe ein Buch... Ich weiß es nicht. Ich muss jetzt erst einmal mit dem neuen Programm anfangen, und dann sehen wir weiter.

RALPH KRÜGER: Jetzt muss ich doch einmal genauer nachfragen: Sie reden immer vom Musik schreiben... Wie muss ich mir das vorstellen?

TILMAN BIRR: Na, ich habe da immer eine Gitarre dabei, und dann singe ich Lieder dazu. Man könnte Liedermacher dazu sagen, die anderen sagen vielleicht kabarettistische Lieder...

RALPH KRÜGER: So in der Art wie Funny van Dannen?

TILMAN BIRR: (lacht) Ich habe ein Lied im Programm, das auf Funny van Dannen anspielt, weil es genau die Akkordfolge und diese Gesangstechnik benutzt, und bei dem am Anfang immer sage: Ich imitiere gerne Menschen, die ich sehr schätze. Freuen Sie sich auf eine Imitation von Funny van Dannen. Dann kommt ein Lied, das auch ohne diesen Hinweis funktionieren würde, aber dieses (er nölt) "La-Na-Na-Na-Na", das funktioniert da ganz gut. Ja, Funny van Dannen ist einer, der das auch macht, aber da gibt es ja viele davon. Ich könnte jetzt nicht sagen, dass meine Musik so wie der und der ist.

RALPH KRÜGER: Gibt es Vorbilder?

TILMAN BIRR: Ich finde den Begriff schwierig, weil es so klingt, als wolle ich versuchen, genauso zu sein wie die. Es gibt natürlich Menschen, die ich sehr schätze oder sogar verehre. Rainald Grebe ist einer von denen. Ich selber bin dazu jedoch, glaube ich, nicht fähig oder mache es eben irgendwie anders. Es gibt auch andere Künstler, die ich sehr schätze. Der Kollege Elis ist zum Beispiel so einer, den kennt nur leider niemand. Der hat sich zum Ziel genommen, niemals bekannt zu werden. Der tritt bei unserer Lesebühne auf und sonst nirgendwo. Es gibt also einige, die ich sehr schätze. Aber Vorbilder? Das ist schwierig.

RALPH KRÜGER: Herr Birr, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen viel Erfolg mit "On se left you see se Siegessäule"!

TILMAN BIRR: Vielen Dank!

Leipziger Buchmesse, 15. März 2012 © belletristiktipps.de